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Die brotlose Kunst in Deutschland


Die brotlose Kunst in Deutschland

Das Kulturland Deutschland hat keine Kultur mehr. Jedenfalls könnte man das annehmen, wenn man einen aktuellen Report über die Lage der freischaffenden Künstler in Deutschland sieht. In diesem geht es nicht um die fest angestellten Künstler und Tänzer der großen Theater des Landes, sondern vielmehr um die freischaffenden Künstler, die sich oft als Kleinunternehmer verdingen. Dabei stellt der Report deutlich heraus, wie brotlos die Kunst in Deutschland ist. Im Schnitt verdienen freie Künstler etwa 12.300 Euro – und das im Jahr. Das ist weniger, als die meisten Geringverdiener mit nach Hause bringen.

Noch dazu können sich viele Künstler nicht in der günstigen Künstlersozialkasse versichern. Sie müssen sich aufgrund des extrem niedrigen Einkommens aus der Kunst mit anderen Jobs über Wasser halten. Dabei verdienen sie dann vielleicht mehr, woraus sich ergibt, dass das Einkommen aus der rein künstlerischen Tätigkeit zu gering ist, um sich in der Künstlersozialkasse versichern zu können. Was bleibt dann noch? Die gesetzliche Krankenversicherung, wenn der Künstler das Glück hat, noch einen sozialversicherungspflichtigen Job zu haben? Oder doch nur die private Krankenversicherung, weil der Künstler mit einem Kleinunternehmen selbstständig ist? Die Altersvorsorge kann aufgrund des geringen Einkommens so gut wie gar nicht in Angriff genommen werden. Die Altersarmut ist dann vorprogrammiert.

Flexibilität ist gefragt

Aufgrund dieser prekären Lage sind viele Künstler darauf angewiesen, einen gut verdienenden Partner zu haben oder lange Zeit noch etwas von den Eltern zugesteckt zu bekommen. Nicht selten finden sich laut dem aktuellen Report auch hoch verschuldete Kleinunternehmer unter den deutschen Künstlern. Darüber hinaus geben viele Tipps zur Kunst, um sich zumindest ein kleines Zubrot zu verdienen, sie sind aber dennoch oft genug auf Hartz IV angewiesen.

Ebenfalls macht es die Lage nicht besser, dass deutsche Künstler stets flexibel bleiben müssen. Vielfach müssen sie Engagements fernab der Heimat annehmen, teilweise sogar im Ausland, um überhaupt mit ihrer Kunst Geld verdienen zu können. Dabei brauchen sie dann eine Wohnung für Berlin, für Hamburg und München, die sie sich aber aufgrund des geringen Einkommens gar nicht leisten können.

Da verwundert es nicht, dass die Künstler in Deutschland oftmals kinderlos bleiben. Denn eine Perspektive gibt es bei der wahrhaft brotlosen Kunst kaum. Und nur die wenigsten möchten dann auch noch Kinder in eine Welt setzen, in der sie ihnen nichts bieten können.

Ausbeutung in der Kunst hat Tradition

Allerdings zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit, dass nur wenige Künstler tatsächlich von ihrer Kunst leben konnten. Betrachtet  man sich Lessing beispielsweise, der als einer der größten deutschen Dichter gilt, so musste er sich mit einem Job als Bibliothekar über Wasser halten. Kafka musste bei einer Versicherung arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und sogar Hölderlin arbeitete nebenbei als Privatlehrer. Von daher ist es kein Wunder, dass auch heute noch kaum ein Künstler von seiner eigentlichen Berufung leben kann, selbst wenn er nach seinem Tode noch so berühmt wird.

Dennoch sind die Zahlen, die im aktuellen Report genannt werden, erschreckend. Denn noch dazu muss bedacht werden, dass die kommunalen Budgets für Kunst und Kultur immer weiter zusammen gestrichen werden und so stets die Gefahr lauert, dass die Künstler schon bald noch weniger Anstellungen erhalten.

Foto: ©RainerSturm / pixelio.de